Aus: Mindo Lindo
Die Pipeline: Bericht zur Verhaftungsaktion

(Heike Jungherr von Caminos Verdes, z.Zt. in Ecuador)

Aus Mindo Lindo...

hallo ihr lieben!

jetzt bin ich schon 5 wochen unterwegs und ich dachte mir es ist zeit euch mal wieder ein wenig aus dem schoenen ecuador zu berichten.

seit drei wochen wohne ich in der finca mindo lindo im bergregenwald und es ist wirklich superschoen dort! am samstag ist jetzt auch der andere volontaer angekommen, mit dem zusammen ich auf die finca aufpassen werde, solange die familie in deutschland ist und ich denke es wird eine recht nette zeit werden.

am sonntag haben wir erfahren, dass noch ein dritter volontaer fuer die zeit kommen wird. ein ecuadorianer aus zwei doerfern weiter, der hauptsaechlich kommt, um von uns deutsch zu lernen...und wir von ihm spanisch :)

in ca. einer stunde werde ich los nach loja fahren, mit meinem "gastvater" und zwei anderen leuten aus der umgebung, um uns das muellprojekt dort anzusehen und natuerlich die stadt. 12 stunden busfahrt...

was in der letzten woche passiert ist koennt ihr in dem kleinen artikel lesen, den ich geschrieben hab. falls irgendwer irgendeine moeglichkeit sieht, den in irgendeine zeitung zu bringen...ist mir ziemlich wichtig!

es ist echt unglaublich wie machtlos man hier ist...

also, ich wuerd mich echt riesig freuen, wenn das in ein oder zwei oder drei... zeitungen stehen wuerde. wenn ihr meint es muesste was verbessert werden, macht das einfach selber, denn der artikel ist eigentlich schon heute nicht mehr aktuell (aber um ins internet zu koennen muss ich halt immer 2 stunden nach quito fahren...).

hoffe das klappt!

ganz liebe gruesse und bis bald

eure heike

Bericht zur Verhaftungsaktion

Ein Erlebnisbericht & Zusammenfassung

Mindo Lindo, 30.03.02

Seit genau fuenf Wochen bin ich unterwegs in Ecuador. Nach zwei Wochen Sprachkurs in Quito, wohne ich jetzt in der Finca "Mindo Lindo" auf 1600 m Hoehe mitten im Bergregenwald.

Die Natur, die mich hier umgibt ist wunderschoen. Umso unglaublicher ist, was sich zur Zeit hier abspielt.

Seit 1999 ist der Bau einer zweiten Oelpipeline durch Ecuador geplant, die OCP. Um den Auftrag hatten sich zwei Parteien beworben: "Williams" und das Firmenkonsortium OCP ltd.. Der Auftrag ging aus unerklaerlichen Gruenden an das Konsortium, obwohl "Williams" eine Route suedlich von Quito fuer die Pipeline bevorzugt haette, die sowohl oekonomischer als auch weit oekologischer gewesen waere.

Die Nordroute des Konsortiums soll direkt durch das "Mindo-Nambillo Nebelwald-Reservat" und den "Yasuni-Nationalpark" fuehren. Dadurch wuerde unersetzbarer Primaer- sowie Sekundaerwald und damit sowohl der Lebensraum zahlreicher, teilweise vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen, als auch die Lebensgrundlage zehntausender Menschen, der Oekotourismus, zerstoert werden.

Auch der wirtschaftliche Aufschwung, den die neue Pipeline laut OCP bringen soll, ist eher fraglich, Umweltschuetzer behaupten das Gegenteil.

Das Projekt wird von einem Bankenkonsortium finanziert. Nachdem die "Deutsche Bank" als Hauptgeldgeber "auf Grund der Umweltproblematik" (Sprecherin Daniela Elvers im "stern") aus dem Projekt ausgestiegen war, ist nun die "Westdeutsche Landesbank" an ihre Stelle getreten. Diese beharrt gegenueber der zahlreichen internationalen Proteste trotz Widerlege auf ihrer Aussage, der Bau der OCP entspraeche den Umweltstandards der Weltbank.

Vor zweieinhalb Monaten hat "Acción por la vida" aus Mindo im nahegelegenen Guarumos ein Camp bezogen und zwar genau an der Stelle, an der die OCP verlaufen soll.

Vor einer Woche hatte ich die Moeglichkeit mir das Camp anzusehen. Zwei der sechs Leute, mit denen ich dort war, hatten geplant ein paar Tage dort zu bleiben.

Doch Montag nachmittag wurde das gesamte Camp von der Polizei geraeumt und die Bewohner festgenommen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich 14 Auslaender (aus Irland, der Schweiz, den USA, Frankreich, Italien, Kolumbien und Deutschland) und sechs Ecuadorianer dort.

Die Nachricht von den Verhaftungen loeste in Mindo Verwirrung und Wut aus:

"Acción por la vida" hatte das Camp auf einem Privatgrundstueck mit Erlaubnis des Besitzers aufgeschlagen. Den Bewohnern von Mindo stellte sich die Frage, ob der Grundbesitzer kurzfristig sein Einverstaendnis fuer die Raeumung gegeben hatte oder ob andernfalls die Polizei einen klaren Verstoss gegen die Menschenrechte begangen hat.

Kurzerhand errichteten sie noch in derselben Nacht eine Strassensperre auf der Hauptverkehrsstrasse bei Mindo. Zwei Trailer der OCP, beladen mit Roehren fuer die Pipeline, wurden abgefangen, ins Dorf gebracht und dort die Reifen zerstochen. "Leute gegen Trailer", so hiess die Forderung.

Am Dienstag stellte sich dann heraus, dass der Grundbesitzer keine Ahnung hatte, was sich am Tag zuvor auf seinem Grundstueck abgespielt hatte, die Polizei also tatsaechlich illegal handelte.

Doch trotzdem befinden sich die jungen Leute noch immer in Untersuchungshaft. Erst kommenden Montag ist die oeffentliche Anhoerung. Am Donnerstag wurden bereits die ersten Vier des Landes verwiesen.

Die offizielle Begruendung ist, die "Ecologistas" haetten gravierende Schaeden an der bereits bestehenden Strasse der OCP verursacht. Obwohl die gleichlautende Anschuldigung erst kuerzlich ueberprueft, und festgestellt wurde, dass die Schaeden auf mangelnde Wartung der Baufirma zurueckzufuehren sind. Der Baufirma, die selbst die Ueberpruefung veranlasste, wurde daraufhin die Lizenz entzogen.

Die Botschaften bemuehen sich nicht grossartig um das Recht ihrer Landsleute, mit der Begruendung, als Tourist habe man sich nicht in politische Angelegenheiten einzumischen. Dabei wollten viele sich auf Grund ihres Studiums lediglich ein Bild von der Lage machen. Drei befanden sich zur Zeit ihrer Festnahme sogar bereits auf einem oeffentlichen Weg nach unten.

Ebenfalls am Donnerstag wurde eine Spezialeinheit des Militaers, mit Maschinengewehren und Traenengasbomben ausgeruestet, nach Mindo geschickt, um die Trailer abzuholen.

Die Sitzblockade einiger Frauen wurde gewaltsam auseinandergerissen.

Von der korrupten Regierung Ecuadors hatte ich bereits vor meiner Reise mehrfach gehoert. Auch die teilweise erschreckenden Methoden der Polizei waren mir nicht unbekannt und wurden mir in Quito sogar mehrfach vor Augen gefuehrt.

Als ich von der Trailer-Entfuehrung hoerte, glaubte ich, dass es ein Fehler sei, sich ebenfalls strafbar zu machen, wenn man doch wisse, dass man die Polizei verklagen koenne.

Doch im Laufe der letzten Woche habe ich endgueltig verstanden, dass in Ecuador einfach andere Spielregeln herrschen.

Der Bau der OCP wird versucht mit allen Mitteln durchzusetzen.

"Legal, illegal, scheissegal."